Geburtstag im Jahr 2100

By Sofía Fernández (1998), Deutsche Schule Bilbao/Spain.

We are writing the year 2100. Because of the progress of the medicine, the average life expectancy of the people is over one hundred years meanwhile. Your children, grandchildren and great-grandchildren have arrived to your birthday party. You are asked to tell stories from your life: A short story of the 21. century from the perspective of personal experiences.

zukunft

Heute ist der 30. Juni 2100; ich werde 102 Jahre alt. Ach, wie schnell die Zeit nur vergeht… Es ist, als wäre es gestern gewesen, als ich meine zwei Kinder auf die Welt brachte. Inzwischen sind sie keine Kinder mehr, auch sie sind schon Großeltern wundervoller Zwillinge.

Als ich klein war, mit fünf oder sechs Jahren, zählte ich immer die Tage bis zu meinem Gebutstag. Dieser war der beste Tag des Jahres für mich, noch schöner als die Weihnachtszeit. Ich stand früh am Morgen auf und weckte meine Eltern und meinen Bruder, damit sie mir schnell meine Geschenke gaben. Von meinem Bruder bekam ich immer eine riesengroße Tüte voll mit Süßigkeiten, von denen ich übrigens mehrmals Bauchweh bekam. Es war einfach toll, älter zu werden. Damals wollte ich, dass die Zeit schnell verging; jetzt würde ich die Zeit lieber zurückdrehen.

(…)

Ich kann mich noch gut an mein erstes Dienstmädchen erinnern, als ich noch klein war, Maria hieß sie. Sie kam jeden Morgen zu uns nach Hause und passte auf mich und meinen Bruder auf, wenn meine Eltern mal unterwegs waren. Am meisten Spaß hatte ich, wenn wir zusammen Karten spielten (ungefähr 1000 mal am Tag). Wir gingen auch zusammen spazieren und sammelten Blätter von ganz verschiedenen Bäumen, die ich dann später meiner Mutter schenkte. Später, als Maria mit ihrem Freund nach Madrid zog, kam ein anderes Dienstmädchen zu uns. Ab dem Moment hatten wir jeden Monat ein neues Dienstmädchen zu Hause. Wenn mein Bruder und ich gerade Zeit gehabt hatten, uns ihren Namen zu merken, kam schon die Nächste.

Jetzt habe ich Lupita. Sie ist wie eine Schwester für mich. Sie passt auf mich auf, leistet mir Gesellschaft und kocht für mich. Wenn man sie nicht von der Nähe betrachtet und sieht, dass sie in den Armen und Beinen gar keine Haare hat, merkt man fast gar nicht, dass sie in Wirklichkeit eine Maschine ist! Und das beste ist: Sie kann unheimlich gut mexikanisch kochen (mein absolutes Lieblingsessen!!). Das wird es heute Nachmittag zu essen geben, wenn meine Familie später zu mir nach Hause kommt.

Außerdem muss man jetzt nicht immer ein Dienstmädchen suchen, so wie früher. Jetzt geht man einfach in den Laden und bestellt eines. Man kann alles wählen: Augenfarbe, Hautfarbe, Haarfarbe, Größe und alles andere, so wie bei einer Puppe. Meistens dauert es ein paar Stunden, bis es fertig ist, aber dafür hält es ein Leben lang.

(Drei Stunden später)

Langsam kommen alle herein. Es kommen meine Söhne, John und Leon; meine Tochter Lisa, meine Enkel Luna, Lea, Michaela und Alex, und meine Urenkel, die Zwillinge Peter und Günter. Sie alle bringen Geschenke mit.

John und seine Frau sind extra aus Venezuela gekommen, um meinen Geburtstag zu feiern. Sie sind mit ihrem neuen Turbolexx3000 her geflogen. Das ist eine Art Raumschiff, womit man bis zu 1000 km die Stunde fahren kann. Als ich klein war, war die Höchstgeschwindigkeit, die man mit einem Auto erreichen konnte 300 km/h.

Lea, meine Enkeltochter, die vor einem Monat 32 Jahre alt wurde, bekam von ihrem Mann zum Geburtstag eine der neusten technologischen Erfindungen geschenkt: die Lilix22805. Das ist ein Armband, das man am Handgelenk festmacht. Man muss dann nur eine Adresse eingeben und schon wird man dorthin transportiert. Ich fand das unglaublich, als sie mir das zeigte. Das würde einem GPS in meiner Jugend entsprechen.

Wenn ich meiner Familie Geschichten aus meiner Jugend erzähle, glauben sie mir manchmal gar nicht. Sie können zum Beispiel nicht glauben, dass ich ernsthaft zur Schule ging. Jetzt gehen sie in ein Zimmer und machen dort Unterricht, ohne auch nur einmal aus dem Haus zu gehen. Dieses Zimmer kann sich in alle möglichen Orte verwandeln: Schule, Schwimmbad, Turnhalle, Schlafzimmer… alles virtuell.

Es ist einfach unglaublich, wie sehr sich alles verändert hat in den letzten Jahren… Und das erleichtert zwar den Alltag um einiges, aber ich muss zugeben, herkömmliche Schulen und Handys gefielen mir besser.

Print version: Geburtstag im Jahr 2100 – Sofia Fernandez