„Der Kleine Prinz“ – der nächste Abschnitt

Heute hatte ich einen Traum. Ich träumte, dass ich meine Maschine auf die afrikanische Wüste landete und gerade diese Landschaft erblickte, die Saint Exupery in seinem Buch gezeichnet hat. Kurz danach sah ich den Kleinen Prinz selbst, und er nahm mich auf seine Planetenreise mit.

„Der Planet 326 war von einem Eitlen bewohnt.“ Zu unserem Erstaunen war er doch kein Eitler mehr. Mit großer Bewunderung begann er uns zuzujauchzen. Er bestaunte uns für unseren Mut, so weit zu reisen. Als ich ihm die Frage stellte, wo sein Hut ist, antwortete er verschämt:

- Ich brauche ihn nicht mehr.

Da habe ich verstanden: Der größte Eitle hat sich verändert. Nach der Meinung meiner Eltern werde ich immer mehr selbständiger, ernsthafter, entschlossener und verantwortlicher.

„Der vierte Planet war der des Geschäftsmannes.“ Er bummelte herum und sprach jedes Lebenswesen an. Als wir an der Reihe waren, fragte ich gespannt:

- Wie viele Sterne hast du bis jetzt in die Bank gelegt?

. Wo hast du deine beliebten Spielzeuge? – schlug er meine Worte zurück.

Ich fühlte mich wie „an die Schultafel gerufen“ und konnte meine Gedanken nicht zusammenfassen. Endlich stotterte ich: Als ich klein war, träumte ich tatsächlich ein großes Spielzeuggeschäft zu besitzen. Jetzt finde ich Familie und Freunde am wichtigsten.

- Ähnlich war es bei mir. Mein altes Wertsystem ist zerbrochen und es hat sich ein neuer herausgebildet. – erwiderte stolz der Geschäftsmann und ging weiter, um mit einem Maikäfer zu sprechen.

„Der fünfte Planet war sehr sonderbar.“ Es war dunkel.

- Wieso – fragten wir uns – vergiss der Laternenanzünder die Straßenlaterne anzuzünden oder…?

Da fanden wir ihn im Bett schlafend. An der Wand hing ein Zettel: „Bitte nicht stören!“. Der Kleine Prinz nickte ernsthaft mit dem Kopf und sagte:

- Endlich hat dieses Arbeitstier verstanden, dass die Arbeit ebenso wie die Erholung wichtig ist.

Ich stimmte ihm zu:

-Deshalb lerne ich das, was ich für Abitur und meine Zukunft brauche. Nach dieser Reise werde ich sicher ganz anders auf die Welt, Leute und eigenes Leben schauen.“

„Der sechste Planet war zehnmal so groß.“ Wir hatten viel Glück, dass wir den Geographen zu Hause erreichten. Der hatte für uns fast keine Zeit, weil er zwischen zwei Forschungsreisen war. Wir nahmen schnellen Kaffee und er war weg.

Dieser Besuch rief doch bei mir gewisse Gedanken hervor:

- In der Grundschule meinte ich, dass das ganze Wissen in den Lehrbüchern enthalten ist. Heute richte ich mich – so wie der Geograph – nach dem bekannten Sprichwort: „Reisen macht klug“ und würde mir gerne alles selbst anschauen und erfahren. Obwohl meine Kenntnisse viel besser als früher sind, bin ich dessen bewusst, dass ich noch sehr wenig weiß.

 

„In diesem Augenblick erschien der Fuchs.“

- Komm und spiele mit uns! – schlug ich ihm vor.

- Ich kann nicht mit euch spielen – sagte der Fuchs – ich bin noch nicht gezähmt. Wenn ihr einen Freund wollt, so zähmt mich! Bitte … zähmt mich!

Jeden Nachmittag kamen wir also um vier Uhr und setzten uns ein bisschen näher. So machten wir den Fuchs mit uns vertraut. Als die Stunde des Abschieds kam, schenkte uns der Fuchs ein Geheimnis:

- Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar.

- Also – erfreute ich mich – Es ist doch etwas, was unverändert blieb. Der Wille, geliebt zu werden, der Wunsch,  Freunde zu haben.

- Ich bin für meine Rose verantwortlich – wiederholte ich nach dem Kleinen Prinz, aber der hörte mich nicht mehr, weil er plötzlich verschwand.

 

Marta Skiba & Dominika Sieklińska