Kommentar zum Artikel von Marta Zerbini “Italienische Einheit nach 150 Jahren”

April 26th, 2012 by kmiecik3sabina3s

by Karolina Kempkowska (1995), Sabina Kmiecik (1996) LOK Kraków/Poland

Deine Interpretation  des am Beginn dieses Artikels angeknüpften Werkes hat bei uns viele Gedanken und Reflexionen herausgerufen, auch zum weiteren Nachdenken und zur intensiven Diskussion in der Klasse bewegt.

Leider müssen wir feststellen, dass deine Kritik auch unsere polnische Kultur betrifft. Polnische klassische Werke, die noch von unseren Eltern genau in der Schule analysiert wurden, so wie „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri geht jetzt in Vergessenheit. Stattdessen werden „Die Chroniken von Narnia“, Harry Potter“ oder „Der Herr der Ringe“ von polnischer Jugend gelesen oder noch lieber angeschaut. Für die Schule lesen die polnischen Schüler immer häufiger nur kurze literarische Bearbeitungen, weil es ihnen an die Zeit fehlt. Um die Kinder schon von der Kindheit an ans Bücherlesen zu gewöhnen, werden verschiedene gesellschaftliche Aktionen unternommen wie z. B. „Das ganze Polen liest den Kindern vor“. Gleichzeitig wurde doch die Liste der für Abitur obligatorischen Schullektüren nach der Schulreform, die jetzt in Polen durchgeführt wird, deutlich verkürzt. Unsinn!

Jetzt Barbie – sie hat auch unsere Spielzeugenwelt beherrscht. Jedes Mädchen träumt über Barbie. Und wie sieht diese Puppe aus? Sie scheint mehr erwachsen als kindhaft zu sein. Zweifellos richten wir uns oft unachtsam nach der Mode, abgesehen davon ob es uns wirklich gefällt oder nicht. Barbie kennt jeder, über Nationalkunst wissen wir doch immer weniger. Das bedeutet doch nicht, dass alles, was „in“ ist, soll man negativ beurteilen. Es reicht nur vernünftig zu wählen und Gleichgewicht zu behalten. Beispielweise Lego-Baukasten, der seit Jahren bei den Jungen sehr populär ist, entwickelt die Fähigkeit abstrakt zu denken, was das Fremdsprachenlernen in der Zukunft erleichtert.

Wir sind mit dir einverstanden, dass es scheint, dass Aussehen, Ästhetik und Körperlichkeit heute am wichtigsten zuungunsten der inneren Gefühlswelt sind. Leider! So wie in Italien haben viele edelmütige Ideale und historische Werte auch in Polen ihre Bedeutung verloren. Vor 20 Jahren konnten sich viele Polen im Kampf gegen Kommunismus vereinigen und sogar das Leben für die Freiheit Polens schenken. Heute streiten sich die Politiker über jede Kleinigkeit und sind nicht imstande sich für Gute unseres Landes zu einigen. Auf Schritt und Tritt verbreitet sich die Korruption. Für die Leute wird ihr Eigentum viel wichtiger als die Zukunft Polens. Die Eltern streben nach „Mehrhaben“ und deshalb haben sie wenig oder sogar keine Zeit für ihre Kinder. Sie meinen, dass wenn sie den Kindern materielle Existenz sichern, reicht das. Kinder erwarten doch etwas Anderes – Liebe, Herzlichkeit, Betreuung, oft einfach Dabeisein.

Der furiose Schrei des wegen des Kulturverfalls leidenden Italieners erinnert und an das Bild von Edvard Munch (1893), das „Schrei“ betitelt ist. Nach den Kritikern ist das ein von den besten expressionistischen Werken und bringt die Existenzqual des gegenwärtigen Menschen zum Ausdruck. Unserer Meinung nach betrifft dieser Schrei nicht nur die Natur, so wie der Autor das geäußert hat, sondern auch die Kultur. Was meint ihr darüber?