Bleibende Erinnerungen- Gedenken an den Feuersturm

Feuersturm Hamburg 1943

By Jessica Reinhardt (1995) HPS Buxtehude- Germany.

“Der Herr ließ Schwefel und Feuer regnen auf Sodom und Gomorrha und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner“ [1 Buch Mose 19,24]

Sirenen dröhnen. Die Leute laufen nervös die Straßen zum Bahnhof hinunter. Mit Koffern bepackt und Kind und Kegel im Arm, stehen die Menschen völlig verstört am Hauptbahnhof in der Hoffnung noch einen Zug hinaus aus der Stadt zu bekommen. Menschenschreie werden lauter. Schmerzensschreie. Ein Mann rennt mit letzter Kraft aus seinem Haus und geht auf offener Straße in Flammen auf. Flugzeuge fliegen mit lautem Brummen über die Stadt und alle paar Minuten explodiert in der Nähe ein Gebäude.

Im Hintergrund: Hamburg in Schutt und Asche.

Es ist der Sommer im Jahre 1943.

Für die Menschen in Hamburg wird dieser Sommer kein vergnügter Sommer, als in der Nacht vom 27. auf den 28. Juli die Bomber der Royal Air Force über die Stadt im Zuge der „Operation Gomorrha“  fliegen und rund 19.000 Fliegerbomben und 1,6 Millionen Brand-bomben abwerfen. Hamburg versank in einem Meer aus Feuer, bei dem in dieser Nacht mehr als 36.000 Menschen den Tod finden.

Heute, knapp 70 Jahre nach dieser dunklen Nacht, sieht man kaum noch Überreste, die an dieses schlimme Erlebnis erinnern. Dort wo einst zerstörte Ruinen standen, sind nun achtzehn Stockwerke hohe Bürogebäude. Besonders gut  kann man das am Stadtteil Hammerbrook sehen. Bei dem Bombenanschlag im Jahre 1943 wurde er komplett zerstört und war das Zentrum des großen Brandes. Heute ist Hammerbrook der Mittelpunkt der Geschäftswelt Hamburgs mit großen Bankgebäuden, Anwaltskanzleien und dem Hauptbahnhof.

Wer nach Hamburg kommt sieht nichts von der wüsten Zerstörung, die hier einst herrschte, doch es gibt Leute, die sich an die Geschehnisse damals noch genau erinnern können.

“Da mein Mann an der Ostfront war, wohnte ich mit meinem damals zweijährigen Sohn bei meinen Eltern. Am Abend zum 25. Juli gegen halb eins kam wie üblich Fliegeralarm. Und wie üblich setzte ich meinen Sohn in die Kinderkarre und fuhr mit meiner Mutter und ihm zur Reeperbahn in diesen Bunker hier. Da explodierte in Bunkernähe eine große Sprengbombe, die mit fürchterlichem Getöse auseinander ging und uns fast den Atem nahm. Es kam Schlag auf  Schlag und Bombe auf Bombe. Wir wussten nicht mehr, ob wir überhaupt je da wieder herauskommen konnten. Wir kriegten auch schon bald Rauch rein durch die Entlüftungs-anlagen. Und dann setzten schon die Zuströme ein von den Leuten, die in ihren Hauskellern gesessen hatten und raus mussten, weil ihnen die Häuser über dem Kopf weg brannten. Noch während des Angriffs mussten diese armen Menschen zu uns laufen.

Etwa nach drei Uhr bekamen wir Bescheid, dass die Bomber den Rückflug angetreten hatten. Als ich die Bunkertreppe hochkam, hat sich mir ein Bild geboten, das man einfach nicht beschreiben kann. Es war auf beiden Seiten der Reeperbahn nur ein Flammenmeer rauf bis zum Millerntor. Ich hoffte, meinen Vater zu finden, wollte hin, in dem Augenblick stürzte das Haus vor unserem zusammen und fiel auch auf die Straße, sodass mir der Weg abgeschnitten war. In dem Augenblick erfasste mich echte Panik, und ich bin dann im Galopp zurückgelaufen in den Bunker, nur immer denkend ‘Zurück zu dem Jungen, zurück zu dem Jungen’.“ ( Ein Auszug aus dem Zeitzeugenbericht von Fr. Hansmann  aus dem Archiv des NDR http://www.ndr.de/land_leute/norddeutsche_geschichte/feuersturmzeitzeugen102.html)

Es sind schreckliche Bilder, Bilder die Frau Hansmann und andere überlebende Zeitzeugen wahrscheinlich nie vergessen werden. Doch auch dieses furchtbare Ereignis hat die Hamburger zusammen geschweißt und hat es zu dem gemacht, was es heute ist.

Es hat lange gedauert bis sich die Stadt vom Krieg erholte und heute, 70 Jahre später, ist Hamburg eine der modernsten Städte, die Deutschland nach Berlin und München zu bieten hat. Neben zahlreichen Musicals und einer sehr weit ausgebauten Hafeninfrastruktur bietet die Nordlichtmetropole auch einen wirtschaftlichen Knotenpunkt.

Lediglich einige Denkmäler, wie z.B. das Denkmal in Rothenburgsort mit dem Namen „Opfer des Feuersturms“, erinnern uns hier noch daran, was damals geschah, und das ist auch wichtig für die Entwicklung unserer Gesellschaft. Wir müssen den unschuldigen Menschen, die damals ihr Leben verloren, gedenken, denn es ist ein Teil unseres kulturellen Erbes.

Denn, wer seine Vergangenheit vergisst, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Quelle: Die Archivseite des NDR zum Thema Feuersturm (http://www.ndr.de/land_leute/norddeutsche_geschichte/dossierfeuersturm100.html)

One Response to “Bleibende Erinnerungen- Gedenken an den Feuersturm”

  1. Grausig ist, dass so viele unschuldige Leute beim Bombenanschlag 1943 in Hamburg ums Leben gekommen sind. Schrecklich ist, dass man das von früheren Generationen jahrelang herausarbeitete materielle Vermögen so leicht und sinnlos niederreißt.
    Zwar wurde Krakau nicht so stark mit Bomben belegt, also „vom Krieg verschont“ – wie viele Krakauer sagen, aber sehr viele polnische Städte lagen in Schutt und Asche. Warschau wurde beispielweise wie Sodom und Gomorrha total vernichtet. Kein Stein lag über dem anderen. Das war einfach ein großer Trümmerhaufen.
    Der Wiederaufbau der vollständig zerstörten Hauptstadt dauerte sehr lange und trotz großen Engagements von vielen Polen blieb sie im Vergleich zu den Städten Westeuropas – so wie unser ganzes Land – weit hinten. Das kann man noch jetzt spüren.
    Dein Artikel erinnert uns an die makaberen Bilder vom Warschauer Aufstand, die wir von zahlreichen dokumentarischen Filmen kennen. Als Warschauer Aufstand bezeichnet man die militärische Erhebung der Polnischen Heimatarmee gegen die deutschen Besatzungstruppen im besetzten Warschau ab 1. August 1944. Die Widerständler kämpften 63 Tage, bevor sie angesichts der aussichtslosen Situation kapitulierten. Außer den tausenden Opfern untern den Soldaten (10.000 Toten und 7.000 Verschollene) haben ungefähr 200.000 Zivilen den Tod gefunden, 150.000 wurden hingegen in die Konzentrationslager oder zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert. Die Zahlen sind wirklich groß…
    Wir stimmen Deiner Meinung zu, dass wir dieser unschuldigen Menschen gedenken müssen, denn es ist ein Teil unseres kulturellen Erbes. Solche Gedenkstätte wie das Denkmal in Rothenburgsort „Opfer des Feuersturms“ oder das Denkmal des Aufstandes in Warschau sind wichtig für die Entwicklung unserer Gesellschaft.