Ist die Emigration ein guter Ausweg?

Der Ausweg aus der schweren politischen Situation Polens, der vom Einzelnen oft gewählt wurde war und weiter ist die „vielversprechende“ Emigration.

Die polnischen Flüchtlinge nach den Volksaufständen im 19. Jahrhundert wanderten hauptsächlich nach Frankreich, England, Deutschland, in die Schweiz und nach Nordamerika. Das waren vor allem Dichter (Adam Mickiewicz), Künstler (Fryderyk Chopin), Politiker (Joahim Lelewel), die ihr künstlerische Schaffen oder politische Tätigkeit im Ausland fortsetzten. So lebte unser Land, das auf der Landkarte Europas nicht mehr existierte.

Von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts bis 1939 entwickelte sich Erwerbsemigration. Die Arbeiter zogen nach Frankreich, Belgien und Deutschland, die Bauer in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach Kanada, Brasilien und Argentinien. Die Fahrt mit den überfüllten Schiffen dauerte gewöhnlich einige Monate und endete auf der Insel Ellis Island, die von den Angekommenen „Schlüssel“ genannt wurde. Sie eröffnete die Tür zum besseren Leben.  Sehr viele wurden doch von der amerikanischen Regierung nicht aufgenommen und mussten nach Polen zurückkehren, obwohl ihre Familien schon da in der Fremde lebten.

Während des 2. Weltkrieges sind viele Polen zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert und danach sind schon dort geblieben.  In den Nachkriegsjahren haben die nächsten ihre Heimat verlassen, diesmal aus politischen Gründen. Sie waren gegen „Polnisch-sowjetische Freundschaft“.

In PRL Zeiten war die ökonomische Situation Polens und gleichzeitig die Lebensbedingungen von vielen Familien sehr schwer. Deswegen, wenn jemanden gelungen ist, das Visum zu bekommen und mit dem Reisebüro auszureisen, kehrte er nicht zurück. Dann schickte er seinen Verwandten Geld und Pakete mit Lebensmitteln und Bekleidung, die übrigens von den Staatsbeamten auf der Post gründlich kontrolliert wurden. Wer solche Unterstützung von den Familiären bekam, war verdächtig und für das Land gefährlich.

In 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, wann es zu vielen Streiks kam, wurden viele Gewerkschaftler von der polnischen Regierung  gezwungen, mit der ganzen Familie ihr Vaterland zu verlassen und in Exil zu gehen. Anders wären sie weiter verfolgt, im Gefängnis interniert oder sogar getötet worden.

Nach 1989 fing wieder die Erwerbsauswanderung an, vor allem nach England, Irland, Deutschland, Österreich, Italien, Kanada und in die USA.

Nach den statistischen Angaben vom 2008 leben 21 Millionen Polen oder die Personen, die polnische Herkunft haben, irgendwo im Ausland. In der Umgebung von Hamburg wohnen 110 Tausend Polen. Die Bevölkerungszahl in Polen beträgt jetzt ungefähr 38 Millionen. So kann man sich vorstellen, wie schwer das Leben in Polen war und ist, sobald so viele Bewohner  ausgewandert sind. Manche sagen, dass die Emigration „die Flucht vor dem Problemen“ ist und versuchen sich in Polen zurechtzufinden. Aber hat der Mensch kein Recht, in den gerechten Umständen zu leben?

Was die Zukunft (Schätzungen bis 2050) bringen kann, zeigt die Graphik unten.