Die Entführung

By Sheila Bonilla (2000), Deutsche Schule Bilbao/Spain.

Entführung 

Some years ago a man called Juanito Rivera was kidnapped in Mexico. But he succeeded to escape. However this experience has changed his life. Sheila conducted a (fictive) interview with him.

Sheila: Wie bist du entführt worden?

Juanito Rivera: Das passierte im Jahr 1995. In dieser Zeit hatten wir zwei Häuser, ein Ferienhaus und ein Wohnhaus. An einem dunklen Tag fuhren mein Vater und ich ins Ferienhaus. Der Eingang war neben einem großen Wald. Da sahen wir zwei Männer, die plötzlich aus dem Wald herauskamen. Sie waren schwarz gekleidet und bewaffnet. Sie wollten, dass mein Vater aus dem Auto ausstieg. Aber er wollte nicht. Sie sagten, sie würden ihn töten. Deswegen sagte ich, dass ich an Stelle meines Vaters mitgehen würde. Ich stieg aus dem Auto aus. Als ich draußen war, verbanden sie mir die Augen, und ich musste in ein Auto einsteigen. Das Auto bewegte sich. Sie sagten mir, dass das eine Entführung sei.

Sheila: Von wem wurdest du entführt? Kanntest du sie?

Juanito Rivera: Nachher, als ich aus dem Auto ausstieg, brachten sie mir in einen kleinen Raum. Da wurde mir klar, wer dahinter steckte, es war eine Bande, die schon mehrmals verhaftet worden war. Der Anführer hieß Tito, er war schon mal in Gefängnis gesessen. Sie ließen mich von einem großen und muskulösen Typen namens Tyson bewachen, der so hieß wie ein berühmter Boxer aus den USA.

Sheila: Wie lange warst du entführt?

Juanito Rivera: Ich wurde am 20. Mai 1995 entführt. Ich war drei Tage lang in der Gewalt der Entführer. Diese Bande hatte kein Geld, deswegen bekam ich nichts Vernünftiges zu essen. Dass sie kein Geld hatten, half mir sehr. Sie hatten mich drei Tage lang bei dem gleichen Wächter gelassen. Er war hungrig und müde. Da fragte er mich, ob ich eine Schlaftablette haben wolle. Ich dachte: „Wenn er mich die Tablette anbietet und ich sie runterschlucke, dann wird es das Gleiche machen.“ Darin sah ich meine Rettung! Ich tat so, als würde ich die Tablette runterschlucken. Er machte das Gleiche, weil er müde war.

Sheila: Hast du irgendwann gedacht, du würdest sterben?

Juanito Rivera: Die ganze Zeit dachte ich, ich könnte sterben. Weil die Entführer Tyson sagten, dass er mich erschießen solle, wenn ich zu fliehen oder mit anderen Kontakt aufzunehmen versuchte.

Sheila: Wo genau hat man dich entführt?

Juanito Rivera: Wir parkten gerade vor dem Eingang des Hauses. Und als wir die Tür aufmachen wollten, tauchten die zwei Männer auf. Wir waren noch im Auto.

Sheila: Wollten sie Geld? Hatten sie eine Botschaft an deinen Vater gerichtet?

Juanito Rivera: Na klar, als ich im Auto der Entführer war, sagten sie meinem Vater, dass das eine Entführung sei. Und dass er einen hohen Preis bezahlen müsste.

Sheila: Wie hast du dich gefühlt, als du entführt warst?

Juanito Rivera: Die ganze Zeit war ich aufgeregt. Ich überlegte, wie ich fliehen konnte.

Sheila: Wie hast du es geschafft, von den Entführern zu fliehen?

Juanito Rivera: Als ich die Kapsel ‚runtergeschluckt‘ hatte, nahm er seine. Ich schaute ihn an und tat so, als ich schlafen würde. Als er eingeschlafen war, näherte ich mich ihm und schlug so stark auf ihn ein, wie ich konnte.

Ich wurde so festgehalten: Mit einer Kette waren meine Füße gefesselt. Wir waren in einem kleinen Raum. Es war eine schwierige Situation. Als er ohnmächtig war, machte ich die Kette kaputt. Ich nahm ihm den Revolver aus der Tasche und verließ das Gebäude. Ich kann immer noch nicht glauben, dass ich das gemacht habe. Ich musste alles ganz leise machen. Doch glücklicherweise waren es gegen fünf Uhr morgens und alle schliefen. Ich rannte aus dem Haus raus, so schnell ich konnte.

Als ich ein Haus sah, erzählte ich der Frau, woher ich kam und dass ich Hilfe brauchte. Und mit einem Auto, das für mich anhielt, kehrte ich heim zu meiner Familie. Dann gingen wir zur Polizei. Zusammen fuhren wir zum Haus, aber ­die Entführer waren verschwunden. Wir mussten unser Haus verkaufen. Aber wir vergaßen es und lebten weiter.

Sheila: Tipps?

Juanito Rivera: Die ganze Zeit habe ich zu Gott gebetet.

Das größte Tipp ist sich zu verstellen, damit man es deinem Gesicht nicht ansieht, was du vorhast.

Ein gutes Leben führen.

Sehr vorsichtig mit Freundschaften sein.

Gute Freunde haben.

Keine Informationen an Facebook geben. Keine Adresse, Nachnamen, die Arbeit von deinen Eltern nicht veröffentlichen.

Die Entführer sind Leute, die dich kennen!

Sheila: Wie fühlst du dich seitdem? Hat sich dein Leben verändert?

Juanito Rivera: Mein Leben änderte sich sehr stark. Ich wurde sehr vorsichtig mit meinen Freunden. Die Entführung änderte mich und meine Familie. Wir mussten unsere Routinen ändern und unsere Wohnung wechseln. Aber die Liebe zwischen uns wurde immer größer. Und da sah ich, wie glücklich ich bin und was für ein schönes Leben ich habe.

Print version: Die Entführung – Sheila Bonilla