Schüler-Lehrer-Verhältnis

KRISTINA WIEGAND (1995), JULINA CHIBBER (1995) Halepaghen-Schule Buxtehude, Germany

„ Heutigen Schülern fehlt die Disziplin? “
„ Heutigen Lehrern fehlt die Autorität? “

So oder so ähnlich ist häufig nicht nur die Sicht von Schülern auf unser Lehrer-Schülerverhältnis. Doch inwiefern lässt sich das bestätigen? Keiner weiß besser Bescheid als die Lehrer selbst.

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, führten wir stellvertretend für die Halepaghen-Schule ein Interview mit einem hier unterrichtenden Lehrer und einer Lehrerin.

Trait d’union: Wie lange sind Sie schon Lehrer?

Lehrer: Seit 1982.

Lehrerin: Seit 2005.

Trait d’union: Wie würden Sie das Verhältnis zu ihren Schülern beschreiben?

Lehrer: Ich würde es als ein überwiegend gutes Verhältnis beschreiben. Ich bemühe mich immer eine angenehme Atmosphäre zu bewahren, trotzdem sollte ein Lehrer autoritär auftreten. Als Lehrer muss man zum Beispiel auch mal darauf achten, dass Hausaufgaben gemacht werden.

Lehrerin: Generell ist es ein recht nettes und entspanntes Verhältnis. Je länger man unterrichtet, desto weniger muss man als Lehrer durchgreifen. Schüler können die Lehrkraft besser einschätzen und testen ihre Grenzen weniger aus, somit wird auch die Beziehung immer freundschaftlicher.

Trait d’union: Haben Sie Veränderungen bemerkt in ihrer Zeit als Lehrer? Wenn ja, welche?

Lehrer: Die Schüler selbst haben sich nicht großartig verändert, jedoch ist mir aufgefallen, dass ihre Interessen sich gewandelt haben. Als Beispiel kann man die Medien nehmen. Handys und Spielekonsolen lenken die Schüler auch während des Unterrichts ab, zugleich bieten sie aber einen schnellen Informationszugang. Ein anderes Problem stellt Cyber-Mobbing dar. Ich bemerke, dass es früher einfacher war, Streitereien zu verfolgen und dass durch das Internet vieles aus dem Ruder läuft.

Lehrerin: Als ich zur Schule gegangen bin, damals wohnte ich noch in Bayern, hatten wir viel größere Angst vor der Schule und unseren Lehrern. Die Stimmung war sehr autoritär, meistens aber im negativen Sinne.

Trait d’union: Sind Sie der Meinung, dass es heutigen Schülern an Disziplin fehlt?

Lehrer: Vergleiche ich heutige Schüler mit meiner eigenen Jugend, fällt mir auf, dass die Schüler sich heute Dinge trauen, die wir niemals gewagt hätten – im positiven, sowie auch im negativen Sinne.

Ein Vorteil ist unter anderem, dass sie Hinterfragen, was den Unterricht oftmals auch voran bringt.

Lehrerin: Nein, das finde ich nicht. Ich hatte hier an der Halepaghen-Schule noch nie große Probleme mit fehlender Disziplin.

Trait d’union: Trennen Sie Schule und Privatleben?

Lehrer: Ich achte immer darauf, dass Schule und Privatleben klar getrennt sind. Klar haben Schüler ihre Probleme, ich finde es aber trotzdem wichtig, Schüler als Privatpersonen zu sehen und nicht auf zu persönlicher Ebene zu agieren.

Lehrerin: Ja, ich trenne mein Privatleben und den Job sehr genau. Das ist auch wichtig, damit einem der Beruf noch Spaß bringt. Außerdem ist es ein sehr stressiger Job und das möchte man nicht alles mit nach Hause nehmen, da man auch seine Auszeit braucht. Was das Privatleben der Schüler angeht, finde ich es schade, dass es sehr große Klassen sind und man so nicht merkt, ob die Schüler Probleme haben. Deshalb versuche ich das mit Exkursionen, Klassenfahrten oder Ähnlichem auzugleichen.

Trait d’union: Denken Sie, dass die Schüler überlastet sind?

Lehrer: Ich würde schon sagen, dass heutige Schüler überlastet sind. In meiner eigenen Schulzeit hatte ich noch Samstagsunterricht. Man sollte also meinen, ich hatte weniger Freizeit, allerdings waren Hausaufgaben und auch der allgemeine Unterricht besser verteilt. Dazu kommt, dass die Schuljahre immer wieder verkürzt werden, der Unterrichtsstoff im Wesentlichen aber der gleiche bleibt.

Lehrerin: Ja, besonders in den Abschlussklassen merkt man den Stress den Schülern an.

Trait d’union: Aus welchem Grund wollten Sie Lehrer sein?

Lehrer: Ich hatte immer Spaß daran, mit Menschen – gerade Jugendlichen – zusammenzuarbeiten. Außerdem wird einem als Lehrer nie langweilig. Man behandelt zwar immer mal wieder die gleichen Themen, aber dadurch, dass man immer wieder verschiedene Schüler unterrichtet und jede Klasse anders ist, bleibt es immer spannend.

Lehrerin: Ich habe schon einmal in einem Büro gearbeitet, aber schon da habe ich gemerkt, dass ich gerne mit Menschen arbeiten möchte, besonders mit verschiedenen Altersgruppen.

Natürlich zeigt dieses Interview nur eine Sicht der Dinge, jedoch wird deutlich:

Das Verhältnis zwischen Lehrer und Schüler hat sich weitestgehend geändert. Autorität ist nach wie vor notwendig, aber das Arbeitsklima scheint trotz vermutlich höherer Belastung der Schüler partnerschaftlicher.