Bietet change.org einen Weg zu mehr Bürgerbeteiligung an der Politik in der Zukunft?

March 10th, 2013 by Guillermo Rebollo

By Guillermo Rebollo de Garay (1996), Deutsche Schule Bilbao/Spain.

 We often think about how we could participate more in the political decisions of our country, but mostly we do not know how to do it. Change.org was founded in 2007 and since then it has helped to put together ideas and people who can make them come true. Nowadays, more than 25 million people are already members of this online-platform, which has got more than 145 million signatures. What are you waiting for, to join the biggest democratic movement of the whole world?

change.org - Spanish version

Vor nicht so langer Zeit ist mir eine bisher unbekannte Webseite begegnet, namens change.org. Ich hatte nie davor etwas von ihr gehört oder gelesen, aber erst dann verstand ich was sie eigentlich war und wofür sie 2007 in San Francisco gegründet wurde, fand ich sie eine revolutionäre Neuigkeit. Change.org ist eine weltweit arbeitende, offene Plattform, deren Ziel der sogenannte „Online-Aktivismus“ ist und die heutzutage mehr als 25 Millionen Mitglieder zählt. Ich habe mich vor einer Woche dort eingeloggt und habe sehr vieles erfahren, was ich vorher nie gewusst hätte, über Frauenmisshandlung in Indien oder wirtschaftspolitische Vorschläge für die spanische Regierung.

Die Organisation übernimmt aber keine Aufgabe beim Ablauf und überlässt stattdessen den Mitglieder die Aufgabe, Themen zu finden und sie zu kommentieren und über sie zu debattieren. Wie der Gründer der Plattform, Ben Rattray, in der Gründungsveranstaltung sagte: “Unser Ziel ist, Menschen weltweit die Möglichkeit zu geben, sich für die Welt einzusetzen, in der sie leben“.

Man könnte beispielweise fordern: „Die Regierung soll in Zukunft darauf achten, dass alle Bürger ihre Steuern zahlen“. Dies ist zwar ein etwas simples Beispiel, aber jetzt könnten alle Personen aus jenen Land auf der Welt sagen: “Ich finde das eine gute Idee, weil…“ oder auch andersherum. Dies ermöglicht, in einer sehr kurzen Zeitspanne über weltweitwichtige Themen zu reden und zu diskutieren. Wenn ich also eine Idee sehe oder lese, mit der ich einverstanden bin, dann kann ich auf change drücken und somit mein Einverständnis mit der vorgeschlagenen Maßnahme ausdrücken. Wenn ich will, kann ich auch noch einen Kommentar liefern.

In der heutigen Zeit, in der es täglich viele Demonstrationen gibt, weil die Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren oder weil die Regierung dieses Krankenhaus oder jenen Flughafen privatisieren will, finde ich eine Seite wie change.org eine sehr gute Idee, so dass Menschen, die viele Probleme, und auch solche, die nicht so viele haben, über die Themen, die sie interessieren oder die ihnen Sorgen bereiten, reden und diskutieren können.

Es gibt aber auch Kritikpunkte zu dieser „heilsamen“ Plattform. Die britische Zeitung „The Guardian“ hat 2009 einen Artikel veröffentlicht, in dem sie an der Webseite change.org sehr starke Kritik übt. Der Autor des Artikels meinte, diese Plattform erfordere das zynische Argumentieren, erreiche wenig und ermutige den Aktivisten nicht dazu, sich genau mit einem Thema zu befassen, sondern halt einzelne Kommentare abzugeben. Auch die amerikanischen Zeitung „Huffington Post“ äußerte Kritik am Ende des Jahres 2012, als die Präsidentschaftswahlen stattfanden. Die Redakteure meinten, diese Webseite trage auf dem linken Flügel der Gesellschaften zur Radikalisierung bei habe als einzig und allein zum Ziel, die politische und wirtschaftliche Ordnung Amerikas zu destabilisieren. Nicht selten wurde gesagt, dass diese Aktivismus-Plattform die gesellschaftliche Ordnung stören will, damit das Chaos ausbreche.

Trotz aller möglichen Kritikpunkte, die von allen Seiten des politischen Spektrums kommen können, finde ich change.org einen sehr interessanten Vorschlag, wenn nicht sogar den besten, um stärker am gesellschaftlichen und politischen Leben zu partizipieren. Change.org ist jedenfalls eine Plattform, in der die Bürger ihre Meinung frei äußern können, was schließlich direkt die demokratische Qualität des Landes steigert. Ich hoffe, dass in der Zukunft erstens change.org und andere solche Aktivismus-Plattformen weiter existieren, weil das, wie gesagt, die demokratische Qualität sehr steigert, und zweitens, dass sie nie von autoritären Regierungen verboten oder zensiert werden, damit alle Menschen auf diesem kleinen Planeten ihre Meinung weiterhin frei äußern können. Denn das ist doch eigentlich das Ziel aller demokratischen Bewegungen, oder?

Printversion: change.org – Guillermo Rebollo, DSB