Kommentar zum Artikel “Interview mit meinem Großvater”

by Weronika Dyras (1995) LOK Kraków/Poland

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war ein sehr grausamer Zeitabschnitt in ganz Europa. Die Zeit kurz vor dem Krieg und vor allem während des Krieges selbst hat viele Leiden über die Menschen gebracht.

Dein Großvater hatte wegen der Nazis eine sehr schwierige Kindheit. Genauso schwer und -meine ich- noch tragischer war die Kindheit meines Großvaters, der im Jahr 1933 geboren wurde. Im Jahr 1940 wurde sein Vater verhaftet und kurz danach ins Konzentrationslager Mauthausen gestorben. Meine Urgroßmutter blieb alleine mit drei Kindern. Zu Hause herrschte schreckliche Armut. Es gab gar nichts zum Essen, dazu noch keine Kleidung, keine Spielzeuge… Stattdessen stetige Angst. Die deutschen Nationalsozialisten in Soldatenuniform kamen oft zu Ihnen nach Hause und raubten oder zerstören alles, was darin war. Sie suchten Guerillas und oft droht die ganze Familie mit dem Tod oder Konzentrationslager, wenn sie diese nicht verraten. Kinder konnten nur heimlich lernen, es gab keine Lehrbücher, Heften oder Stifte. Dafür drohten die Todesstrafe oder Deportation ins Lager. Die Kinder spielten nur damit, was Sie gefunden oder selbst gemacht haben. Sie trafen sie miteinander, aber sie wurden immer vom Bedrohungsgefühl begleitet. Schrecklich! Man sagt doch, dass Kindheit die beste Zeit im menschlichen Leben ist.

Nach dem Krieg war die Situation auch sehr schwer, aber wenigsten konnte man zur Schule gehen. Die Kindheit von meinem Großvater war unterhaltungslos und freudeberaubt. Das ist völlig unmöglich, das mit den aktuellen Zeiten zu vergleichen. Die Kinder von heute „wissen“  nicht, was  der ständige Hunger, die Bedrohung durch den Tod und die harte Arbeit bedeuteten – so hat mein Großvater seine Erinnerungen beendet. Ich kann nur hinzufügen – sie sind nicht imstande, das alles zu verstehen.