Interview mit dem GA-Mitglied der HPS Julius Meixner

By Jacqueline Clever (1995), Celina Schröder (1993), Harriet Meyer (1995), Henning Lutje (1993), HPS Buxtehude/Germany

An der Halepaghen-Schule in Buxtehude genießen Schüler ein Mitbestimmungsrecht wie sonst kaum irgendwo in Deutschland. Sie können in verschiedenen Gremien an schulinternen Entscheidungen teilhaben. Eines dieser Gremien ist der Gemeinsame Ausschuss (GA), ein Zusammenschluss von Schülern, Lehrern und Eltern. Eines der Schülermitglieder, Julius Meixner (1993, 11. Klasse), wird uns im Folgenden von seinen Erfahrungen in Verbindung mit dem GA berichten.

Trait d’union: Was genau ist der GA?

Julius Meixner: Der GA oder auch der Gemeinsame Ausschuss ist ein Gremium, bestehend aus jeweils 6 stimmberechtigten Vertretern der Schüler, Lehrer und Eltern der HPS, sowie dem Schulleiter, welcher nicht stimmberechtigt ist. Der GA hat die Aufgabe, wesentliche Angelegenheiten der Schule anstelle der Gesamtkonferenz zu beschließen, um die Gesamtkonferenz zu entlasten und sich tiefgehender mit diesen Angelegenheiten auseinanderzusetzen. Zur Bewältigung verschiedener Aufgaben kann der GA Arbeitsgruppen einsetzen und Anträge machen. Der GA tagt ca. ein Mal im Monat.

Trait d’union: Was sind seine Aufgaben?

Julius Meixner: Zweck des Gemeinsamen Ausschusses ist zum einem die Entlastung der Gesamtkonferenz und zum anderen eine stärkere Beteiligung der Schülerinnen und Schüler sowie der Erziehungsberechtigten am Schulgeschehen. Durch seine Zusammensetzung und Größe ist eine  tiefere Auseinandersetzung mit einzelnen Themen möglich.

Trait d’union: Wie kann man Mitglied im GA werden?

Julius Meixner: Zu Beginn des Schuljahres ist es möglich, dass Interessenten eine Bewerbung ausfüllen, mindestens drei Unterschriften von Mitschülern, die sie unterstützen, sammeln und diese Bewerbung dann einzureichen. Die Bewerber stellen sich dann der Schülerschaft vor, welche  etwa zwei Wochen später ihren Vertreter wählt.

Trait d’union: Ist der GA eine Bereicherung für die Schülerschaft?

Julius Meixner: Der GA ist durchaus informativ und gibt tiefe Einblicke in schulische Angelegenheiten. Sofern die Schülerschaft ausreichend Hintergrundwissen über die Schule hat, kann sie durch sinnvolle und durchdachte Vorschläge gravierenden Einfluss auf die Schulsituation nehmen. Der GA ist somit einen Bereicherung für die Schülerschaft.

Trait d’union: Wie beurteilst du die Möglichkeit, sich an schulpolitischen Entscheidungen zu beteiligen?

Julius Meixner: Da jedes GA-Mitglied stimmberechtigt ist und die Sitzungen demokratisch ablaufen, darf jeder Stimmberechtigte abstimmen, wobei die Stimme jedes der 7 Mitglieder gleichwertig ist. So haben Schüler das gleiche Stimmrecht wie Eltern und Lehrer und können sich offen zu Themen äußern. Die Entscheidungsmöglichkeit ist gegeben, sie muss nur genutzt werden!

Trait d’union: Wie interessiert sind die Schüler an schulpolitischen Themen?

Julius Meixner: Leider habe ich oft das Gefühl, viele Schüler seien nur bereit, den GA zu kritisieren, ohne sich wirklich damit auseinandergesetzt zu haben. Es gibt aber auch einige, die sehr gesprächs- und argumentationsfreudig sind. Ich denke aber, dass es durchaus vorteilhaft wäre, wenn sich diese Einstellung unter noch mehr Schülern verbreiten würde. Je mehr Schüler sich für schulpolitische Themen interessieren und darüber informieren, desto besser ist es für den GA. Da die Schule zum Alltag aller HPS-Schüler gehört, ist sie von großer Bedeutung.

Trait d’union: Würdest du den Schülern mehr oder weniger Einfluss ermöglichen wollen?

Julius Meixner: Bevor die Schüler mehr Einfluss bekämen, sollten sie informiert sein. Durch den GA hat die Schülerschaft die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Diese Möglichkeit muss  durch wachsendes Interesse der Schülerinnen und Schüler  zuerst voll ausgeschöpft werden.

Trait d’union: Welche Veränderungen würdest du im GA vornehmen?

Julius Meixner: Im GA selbst sehe ich keine Veränderungen als notwendig.

Trait d’union: Sollte der GA auch an anderen Schulen eingeführt werden? Wenn ja, als ein verpflichtendes Gremium?

Julius Meixner: Der GA ist sinnvoll an Schulen, in denen die Schülerschaft an politischer Beteiligung und am Schulgeschehen interessiert ist. Obwohl dies meiner Meinung nach an jeder Schule der Fall sein sollte, wäre er an Schulen mit einer uninteressierten Schülerschaft mehr eine Zeitverschwendung und eine Scheindemokratie. Wenn diese Möglichkeit gegeben ist, sollte sie auch genutzt werde, denn Schulpolitik betrifft alle Schüler gleichermaßen.

posted on Monday, January 23th, 2012

One Response to “Interview mit dem GA-Mitglied der HPS Julius Meixner”

  1. Żaba Monika says:

    Das Mitbestimmungsrecht, das die Schüler an der Halepaghen-Schule genießen, finden wir für eine große Leistung im Entwicklungsprozess der Schule. Wir haben auch die Möglichkeit, an schulinternen Entscheidungen teilzunehmen, aber das funktioniert bei uns ein bisschen anders.
    Jedes Jahr wird s.g. Schülermitverwaltung (SU) von der ganzen Schülerschaft gewählt. Die Kandidaten für den Schülerpräsidenten, der an der Spitze dieser Selbstverwaltung steht, müssen mindestens 100 Unterschriften von Mitschülern sammeln. Im Wahlkampf präsentieren sie mit den Plakaten oder Flugblättern eigenes zukünftiges Programm. An der geheimen Abstimmung können alle Schüler teilnehmen. Leider beträgt die Anwesenheit gewöhnlich 80 %, als ob viele Schüler gegen die Schulpolitik gleichgültig wären.
    Der neue Präsident und die ganze Schülermitverwaltung beginnen ihre Regierungszeit mit dem „Sejmik“ (ein kleines Sejm) in Rabka (ein Städtchen im Gebirge), an dem die Abgesandten und Fürsprechen der Schülerrechte von einzelnen Klassen teilnehmen. Diese werden auch von der Stellvertreterin und einigen Lehrern begleitet. Während der dreitätigen Beratungen werden Angelegenheiten und Postulate, mit denen die Abgesagten gekommen sind, besprochen. Die Fürsprecher nehmen hingegen an einer Schulung teil, die teilweise von den älteren Schulkameraden und teilweise von einem Psychologen durchgeführt wird. Nach der Rückkehr nach Krakau werden dem Lehrerkollegium und dem Elternrat alle Schlussfolgerungen und endgültigen Postulate vorgestellt. Diese, mit denen die Lehrer und Eltern einverstanden sind, werden ins Schulleben eingeführt. So wird beispielweise unser heutiges Schülerstatut ausgearbeitet. Immer wieder werden doch gewisse Verbesserungen hereingebracht.
    Wie arbeitet doch die Schülermitverwaltung am Alltag im Laufe des Schuljahres? Was gehört zu ihrer Aufgaben? Die VIII LO-SU vermittelt bei verschiedenen Angelegenheiten zwischen der Schulleitung, Elternrat und uns – den Schülern. Bei der Schulleitung oder dem Elternrat stellt sie in unserem Namen die Anträge, die die Ansichten, Bedürfnisse und Vorschläge der ganzen Schülerschaft äußern. Außerdem bereitet sie Schulfeste, Vorträge, Begegnungen mit den interessanten Persönlichkeiten vor, organisiert Veranstaltungen, Konzerte und Wettbewerbe. Hier muss ich hinzufügen, dass die Schülermitverwaltung in einigen Sektionen geteilt ist, die bestimmte Tätigkeiten ausführen.
    Noch ein sehr wichtiges Beispiel – wenn die Schulleitung einen Schüler von der Schülerliste streichen will, soll sie die Meinung der Schülermitverwaltung einholen. Bei der Arbeitsbewertung eines Lehrers ist die Beurteilung der SU auch sehr wichtig.
    Unsere Schülermitverwaltung hat auch einen großen Anteil an der Schulpolitik der Stadt Krakau. Vor einem Monat hat unsere Schülerpräsidentin als unsere Vertreterin einen Brief an den Stadtpräsidenten geschrieben, weil – unserer Meinung nach – das Schulwesen in Krakau nicht gut funktioniert. Mit dem Geld, das unsere Schule von der Stadt für dieses Jahr bekommen hat, kann sie nicht gut arbeiten. Wir sind der Meinung, dass die gute Ausbildung viel wichtiger als die Sportstadions, die für Euro 2012 renoviert wurden, ist. An dieser „Debatte“ nimmt unsere SU neben der Schulleitung und dem Elternrat sehr aktiv teil. Das gefällt uns.
    Wie oft treffen sich die Mitglieder unserer Schülermitverwaltung. Ich weiß nicht genau, aber meine Klassenkameradin Karolina deswegen ab und zu im Unterricht fehlt, weil nur die Erstklässler nachmittags lernen.
    Wie wirkt die Schülermitverwaltung in andren Schulen? Ähnlich, obwohl vielleicht nicht so aktiv. Das hängt von der Einstellung ihrer Mitglieder. Seit einigen Jahren haben wir am VIII Lyzeum eine wirklich gut arbeitende Schülermitverwaltung.
    Zusammenfassend können wir sagen, dass solche Gremien wie der Gemeinsame Ausschuss in Halepaghen-Schule in Buxtehude oder Schülermitverwaltung am VIII Lyzeum in Krakau sehr wichtig sind. So haben wir einen gewissen und gleichzeitig einen wesentlichen Einfluss auf unser Schulleben. Indem GA und SU unser Interesse an die Schulpolitik wecken, dienen sie auch unserer gesellschaftlichen Entwicklung.