Eine Wanderung voller Überraschungen

By Carlotta Riedel (1999), Deutsche Schule Bilbao/Spain.

This is the story about how an unscheduled encounter with a grizzly changed my life turning me into an adventurer.

Die Geschichte fing damit an, dass mein Vater vor knapp vier Jahren vorschlug, wir sollten doch mal in den Sommerferien nach Kanada fliegen… Vor den Sommerferien hatten wir also Flüge gebucht und als es so weit war, konnte ich es kaum noch erwarten. Der Flug war ein super Anfang, denn jeder hatte einen eigenen Fernseher in der Kopfstütze des Vordermannes! Ich habe den Flug richtig genossen und gleich erst mal fünf Filme geguckt.

Alles lief gut, auch die Landung, aber ich hatte furchtbaren Jetlag und war hundemüde. Auf dem Weg zum Campingplatz bin ich eingeschlafen. Als ich aufwachte, lag ich im aufgebauten Zelt. Ich ging nach draußen und war überwältigt! Wir sahen genau auf die Berge und einen kleinen Fluss. Überall waren Vögel, Hasen und kleine Chipmunks. Und irgendwann am Vormittag watschelte plötzlich ein Otter neugierig an unserem Zelt vorbei. Am Abend machten wir mit den Leuten, die auch zelteten, ein Lagerfeuer.

Marmot

Früh am nächsten Morgen war mein Vater aufgestanden und hatte sich nach Wanderwegen informiert. Er hatte natürlich wie immer die längste, aber auch schönste Strecke ausgesucht. Nach dem Frühstück ging es dann auch direkt los. Wir fuhren zwei Stunden und auf dem Weg sahen wir viele schöne Dinge und Tiere, so wie Schwarzbären, Elche und Wildgänse. Endlich am Ziel zogen wir unsere Wanderschuhe an und warfen uns die Rucksäcke über. Ich hatte überhaupt keine Lust aufs Wandern, denn ich war müde und die Schuhe taten weh. Dann gingen wir los. Meine Mutter hatte uns vorsichtshalber Glocken und Pfefferspray gekauft. Die Glocken waren da, um die Bären von uns fern zu halten. Und das Pfefferspray sollte uns helfen, falls die Glöckchen nichts nützten …

Auf dem Weg begegneten wir weiteren Touristen, die uns vor einer Bärenfamilie warnten. Alle sprachen aber Englisch und ich konnte nicht viel verstehen, deshalb hatte ich auch keine Angst. Mein Vater hatte eh keine Angst, aber Mama war ein wenig nervös. Plötzlich sahen wir am Boden Pantherspuren und sogar größere Spuren … Bärenspuren! Die Spuren waren noch nicht so alt, deshalb nahmen Mama und ich uns an die Hände und Papa lief voraus. Endlich kamen wir an einen Rastplatz. Ich war ziemlich durstig und trank erst mal unseren halben Wasservorrat aus. Nach einer halben Stunde gingen wir direkt weiter.

Grizzly-Spur

Es war ein schmaler Wanderweg am Abgrund, doch nach einer Weile landeten wir auf einer Lichtung. Es war wunderschön! Kurz darauf waren wir wieder im dichten Wald.

Plötzlich, wie aus dem Nichts, stand ein Bär vor uns. Es war ein junger Grizzlybär mit hellbraunem, zottigen Fell. Er war noch nicht ausgewachsen, aber schon auf allen Vieren mindestens ganze zwei Meter groß! Mama und ich gingen automatisch rückwärts vor Angst, der Bär auch, doch Papa nahm das Pfefferspray und sagte: ,,Den seh ich mir mal genauer an!“, und ging auf ihn zu! Der Bär blieb stehen und machte leise Geräusche, dann lief er einfach weg. Papa kam wieder zu uns und wir gingen weiter. Wir sagten nichts außer Mama, die sagte: ,,Lasst uns schnell von hier verschwinden. Wenn das das Junge war, dann ist die Mutter nicht weit weg!“ Die nächsten Minuten ganz still. Von dem Schreck mussten wir uns erst einmal erholen. Mein Vater war glaube ich traurig, dass er nicht näher an den Bären rangekommen war.

Der Rest der Wanderung verlief zum Glück normal. Es hätte noch schlimmer kommen können, zum Beispiel, dass wir einem Bergpanther über den Weg gelaufen wären! Die sind wirklich böse. Sie schnappen sich den kleinsten aus der Gruppe oder den, der hinten läuft! Zurück auf dem Campingplatz meldeten wir den Bären. Für die Ranger war das aber nichts Besonderes.

Als wir wieder in Deutschland waren, habe ich viel über Bären gelesen. Da stand dann auch, dass Pfefferspray nichts nützt! Hätten wir das gewusst, hätte wohl auch Papa anders reagiert.

Seit dem Vorfall habe ich eine große Vorliebe für Tiere und Abenteuer – Angst vor Bären aber auch!

Print version: Eine Wanderung voller Überraschungen – Carlotta Riedel