Rückblick auf das 21. Jahrhundert

By Ana Barrena (1996), Deutsche Schule Bilbao/Spain.

A.Robida_Le-sortie-de-l'opera-en-l'an2000_(1882)_Wikipedia

Albert Robida: La sortie de l’opéra en l’an 2000 (approx. 1882) – Wikipedia

My teacher gave me the following abstract, asking me whether I wanted to use it as a base for a story. Of course I wanted – however changing some detail!

It is the end of the 21st century. Because of the medical progress the average life expectancy is more than 100 years. The whole family – your children, grandchildren and great-grandchildren – came to celebrate your birthday. They ask you to tell the story of your life: A short story of the 21st century.

104 Jahre sind sehr viel Zeit und ein 104. Geburtstag ist langweilig. Das Geburtstagslied hat man schon sehr oft gehört und die winzigen Kerzen passen nicht in dem schon 103 mal gegessenen Kuchen rein. Nicht nur die Person, deren Ehrentag alle feiern, hat keinen Spaß, viel schlimmer wird es für die Gäste, die nicht mehr wissen, ob sie wieder das gleiche Rezeptbuch schenken sollen. Nie in meinen Leben hätte ich mir vorgestellt, dass mein Geburtstag eines Tages so sein würde.

Als meine Großmutter 90 wurde, gab es ein sehr großes Geburtstagsfest oder eine „Party”, wie wir so etwas damals nannten. Das war noch am Anfang des 21. Jahrhunderts, als ich sehr viele verschiedene Vorstellungen von der Zukunft hatte, aber dass ich mehr als 90 Jahre später  wegen den medizinischen Entwicklungen noch kein Herzinfarkt gehabt haben würde, war nicht Teil davon.

Doch hier warte ich nun auf den Geburtstagskuchen mit meinen drei Enkeln und ihren Kinder. Diese Kombination wirkt fast komisch. Obwohl wir eine Familie sind, sieht es so aus, als würden wir uns nicht kennen, weil wir nicht miteinander reden können. Während ich nichts zu tun habe, lesen sie interessante Bücher oder Artikel in ihren technologischen Nanogeräten, vielleicht schauen sie sogar die neuesten Filme aus der achten Galaxie oder beenden ihre Gespräche mit den Arbeitskollegen. Es kann auch sein, dass die Kleinsten die Geschichtshausaufgaben machen, denn dies ist das beliebteste Hobby für die meisten.

Als ich in ihrem Alter war, haben alle so etwas gehasst, doch durch die Entwicklungen der Lernmethoden wollen nun alle mehr lernen. Wenn sie lesen, dass die Menschen vorher Nachbarn hatten, die laut sprachen und oft feierten, wenn man schlafen wollte, lachen sie. Wenn sie lernen, dass vor 60 Jahren keine Roboter existierten und alle ihre Häuser selber putzen mussten, können sie nicht verstehen, wie man so unentwickelt leben konnte und sie verstehen noch weniger, wie sie sich mit dem Fahrrad bewegten und keine Geräte hatten, die sie überall hinbrachten.

Wenn sie merken, dass heutzutage alles viel einfacher als früher ist, sind sie glücklich. Doch in den Gesichtsbüchern ist nur ein Teil des Geschehens zu finden und die Menschheit hat immer versucht, nur über die erfolgreichen Ereignisse zu reden, um die Katastrophen zu vergessen. Deshalb wissen die Kinder der neuen Generationen alle Details über die Auswanderung zu den neuen Planeten, aber nichts von den Gründen, die dazu führten. Keiner will von der Erde reden.

Die Menschen der Erde mochten keine Geschichtshausaufgaben, aber eigentlich lebten sie glücklich. Eines Tages wurden immer mehr Leute arbeitslos und alles wurde teurer. Trotzdem dachten wir, dass die EU und andere Bündnisse eine Lösung finden wurden. Wir warteten und warteten und bald entstand ein Konflikt zwischen reichen und armen Ländern. Die Armut, die in Afrika viel größer wurde, begann sich auch in Europa und Amerika auszubreiten. Ein paar Jahre später dachten viele, dass die NGOs oder die UNO keinen Sinn mehr hätten und die reichen Länder begannen sich mit denen, die Erdgas und Erdöl hatten, zu alliieren. Jeder wusste, dass das Geld die einzige Waffe war, mit der diese Katastrophe zu gewinnen war. Deswegen wurden Minderheiten, arme Länder und Völker vernichtet. Zum Schluss waren die Weltmächte auch zerstört, denn ihre Hauptwaffe, die Atombombe, vernichtete sogar ihre eigenen Gebiete. Langsam begannen die wenigen, die überlebten, in riesigen Raumschiffen, die einst zu den geheimen Besitztümern der NASA gehörten, zu verschiedenen Planeten auszuwandern. Alle lagen sehr weit von einander entfernt, denn die Koexistenz war nach der Katastrophe nicht mehr möglich. Die Wissenschaften entwickelten sich in einer kurzen Zeit sehr stark, denn sonst hätten Menschen in einem Ort ohne Sauerstoff oder Gravitation nicht überleben können, aber bald begannen sie sich anzupassen. Mit allen diesen Neuheiten wurden alle wieder glücklich, aber alles, was die Menschheit Jahrhunderte lang geschafft hatte, wurde in weniger als 50 Jahren für immer vergessen: Gleichheit, Systeme, Frieden, Toleranz, Kultur, Kunst, Musik…

Darüber könnte ich in diesem Moment mit meiner Familie reden, doch ihnen sind die Worte einer alten Frau nichts wert und sie werden denken, dass ich noch verrückter geworden bin. Sie haben nichts aus unseren Fehlern gelernt, weil sie die Fehler nicht kennen. Bedeutet das, dass eine solche Katastrophe wieder geschehen kann?

Anscheinend ist alles möglich, denn die einzigen Schuldigen sind wir, die Menschen, und jetzt ist es schon zu spät, um alles zu verbessern. Dann ist es auch egal, ob man 104 oder 4 wird.

Print version: Rueckblick 21. Jh. – Ana Barrena, DSB